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Cover "Ein jüdischer Garten", Hanser-Verlag 2022

גינה יהודית
Ein jüdischer Garten

Ein Garten voller Worte – ein Bestimmungsbuch für eine unbestimmbare jüdische Identität

Der Hanser-Verlag kündigt dieses besondere Buch so an: „Es gibt Japanische Gärten und Englische Gärten – wie aber sieht ein Jüdischer Garten aus? Dieser Band gibt die Antwort: Der Jüdische Garten ist ein Buch und besteht aus Worten, eine imaginäre Landschaft aus Literatur, mit rund 150 Texten zu Blumen und Bäumen aus unterschiedlichen Sprachräumen, Epochen und Kulturen der jüdischen Diaspora. Hier blühen Akazien von Clarice Lispector neben einer Zwiebel aus dem Alten Testament …“

Ich möchte hinzufügen: Der Zusammenarbeit von Itamar Gov, Hila Peleg und Eran Schaerf verdanken wir einen reichen Schatz von nicht oder kaum beachteten Autorinnen und Autoren, von Perspektiven und Narrativen, die in den gängigen Darstellungen jüdischer Kultur meistens fehlen.

Darüber hinaus entwickeln die Herausgeber:innen in ihren Kommentaren ein über Sprach- und Nationalitätsgrenzen hinausführendes Beziehungsgeflecht und stellen Bekanntes in überraschende neue Zusammenhänge. Wer ihren Hinweisen nachspürt und nachliest, gerät bereits nach wenigen Schritten (und Suchbefehlen im Internet) in einen bisher unbekannten Garten. Vielleicht ist dieser eine Form jenes „Pardes“, von dem der Talmud erzählt, dass er „ein unbekanntes Wissen birgt, auf das man sich einlässt, sobald man ihn betritt“.

התרגום

Die Übersetzung

Für dieses Buch habe ich 21 der hebräischen Textausschnitte übersetzt. Dabei stieß ich auf viele mir, wenn überhaupt dann nur dem Namen nach bekannte Autorinnen und Autoren, in deren geistige Welt und Sprache ich mich einlesen und einfühlen musste, um ihnen dann in den wenigen Zeilen eine prägnante und möglichst sinnliche Stimme im Deutschen zu geben, denn die Textausschnitte fungieren in diesem ungewöhnlichen „Bestimmungsbuch“ als Illustrationen. Vielen von ihnen wünsche ich, dass der deutsche Buchmarkt sie aufgreifen wird.

Dank dieser Auswahl kam ich in die Lage, für eine Passage aus den „Heften Immanuels“ des italienischen Lyrikers Immanuel Romano (1261 –1335) auf Deutsch eine Art Rap zu schreiben. Romano dichtet in biblischem Hebräisch und nutzt die arabische Versform der Makame, die mit verschiedensten Reimelementen arbeitet, wodurch auch ihre Komik entsteht  (S. 267 im Buch):

Da kam der Sechste und fragte • Warum, Herr, befahl die Thora Vergiss nicht die Trauben! • und die wohlschmeckenden Feigen erwähnte sie nicht • das ist kaum zu glauben • auch die süßen Granatäpfel nicht, nicht Pfirsich und Quitten • und ich antwortete ihm, der Rang der Trauben ist in der Thora unbestritten • ihre Frucht ist besonders, und was glaubst du weswegen? • Über ihren Wein spricht man Havdala und den Kiddusch-Segen! • Die Frucht des Weinstocks zudem ehre und rühm • denn sie fördert auch den Stuhlgang ganz ungestüm.

Oder ich sollte zum Beispiel ein Gedicht von Shimon Adaf übersetzen, an das ich mich ohne einen direkten Auftrag eher nicht herangewagt hätte (S. 40 im Buch):

Die Bewohner entdeckten die Bougainvillea: schmale Hälse
bebende
Lippen. Kelche
gehämmert, gedengelt
hartnäckige Helle. Die Farben
verloren ihre Namen im Schwall der Sonne
bei starrgestanzten Frostsplittern.
Gebet und Entsetzen
durchbrachen die Grenze des Gartens.

Neugierig geworden?

הספר

Das Buch

Cover "Ein jüdischer Garten", Hanser-Verlag 2022
Ein jüdischer Garten, Hg. von Itamar Gov, Hila Peleg, Eran Schaerf, Hanser Verlag 2022.

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